| Mit dem Handy ins Web - Mobile Dienste im Aufwind |
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Ulrike Langer, 11.06.2008 Seit die Gebühren purzeln, erlebt der Internet-Zugang per Handy einen Boom. Beim Medienforum NRW haben einige Konzerne ihre Neuerungen und Pläne vorgestellt. Auch immer mehr Mitmach-Communities gibt es in einer mobilen Version - ohne zusätzlichen Aufpreis. Heute noch Science-Fiction - schon morgen Alltag. Das ist die übliche Versprechung der Digitalindustrie. Dieses Szenario aber ist absehbar: Elektronische Geräte, ob Digitalkamera oder MP3-Player, erhalten über SIM-Karten eigene Zugänge zum mobilen Internet. Das prophezeit Rainer Deutschmann, der bei der Telekom-Mobilfunksparte T-Mobile die Entwicklung des mobilen Internet verantwortet. Auf dem „Mobile Summit“ des „Medienforum NRW“ bestätigte Phillip Schindler, Geschäftsführer von Google Nordeuropa, gestern in Köln: „Schon bald werden mobile Endgeräte zu vollwertigen integrierten Online-Medien.“ Das Handy ist heute bereits ein wichtiges Tor ins Internet. Mobiles Surfen macht allerdings erst seit wenigen Monaten Spaß - seitdem die Tarife für mobile Datennutzung fallen und das iPhone auch andere Handy-Hersteller zu mehr Bedienerkomfort im mobilen Internet anspornt. Immerhin jeder fünfte deutsche Nutzer surft schon mit dem Handy im Netz. Die Zahl der Medienangebote, die man unterwegs abrufen kann, explodiert - auch der „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist seit zwei Wochen unter www.ksta.de auf dem Handy lesbar. Wo sind die Freunde?Neuere Marktstudien ermittelten, dass Handybesitzer unterwegs den Status ihrer Ebay-Auktionen abfragen wollen, die Lieblings-Pizza auf der Tageskarte ordern, das Programm des nächstgelegenen Kinos abrufen oder wissen wollen, welche ihrer Freunde momentan im gleichen Viertel unterwegs sind und gar die gleiche Kneipe ansteuern. All das ist heute schon möglich. Das Handy ist auf dem besten Weg, zur wichtigsten digitalen Schaltzentrale für das moderne urbane Leben zu werden. Auch die Internet-Communities - MySpace, MyVideo, Flickr, Wer-kennt-wen und Co. - öffnen sich immer mehr für die mobile Nutzung. Das ist nur zu logisch. Die meisten Inhalte, die Nutzer auf Internet-Communities hochladen, sind Fotos und Videos, und die werden mit dem Handy produziert. Warum sollte man diese Netzwerke also nicht auch mit gleichem Gerät nutzen können! Eine weitere Entwicklung: Ganz neue Netzwerke kommen hinzu, die von vornherein nur in einer mobilen Version existieren: Tweeter vom Mobilfunkdienstleister Cellity lässt seine Mitglieder gebührenfreie Kurznachrichten ohne SMS-Versand austauschen. Dopplr zeigt an, wo die Freunde sich befinden. Bei Flickr können Nutzer jetzt auch Fotos direkt vom Handy ohne den Umweg über den PC zur Community hochladen, und der englische Dienst Flirtomania lässt seine Mitglieder virtuelle Rosen verschicken und wurde mit dieser Idee innerhalb weniger Monate zum zweitgrößten Rosenhändler der Britischen Inseln. Auch das weltgrößte soziale Netzwerk MySpace hat einen Mobilzugang - was für seine ausgesprochen junge und handyaffine Zielgruppe konsequent erscheint. Pro Monat nutzen weltweit 120 Millionen verschiedene Nutzer das Mobilportal von MySpace - aus Deutschland sind es immerhin schon fünf Millionen. „Wir sind nicht nur ein Adressbuch mit bunten Bildern“, sagt Olaf Kroll, der bei MySpace in Berlin neue Geschäftsmodelle entwickelt. Vor allem Musikvideos ansehen und innerhalb des virtuellen Freundeskreises weiterverlinken steht bei den MySpace-Nutzern ganz hoch im Kurs. „Der »Snacking«-Charakter ist ideal für MySpace“, sagt Kroll. Denn die mobile Internetnutzung, so haben Studien ergeben, findet zum Beispiel an der Bushaltestelle oder in der Bahn statt und dauert durchschnittlich nur drei Minuten. Am Rechner zu Hause oder am Arbeitplatz wird bei jedem Besuch dagegen durchschnittlich 45 Minuten gesurft. Werbung statt NutzungsgebührenAus den Fehlern der Anfangstage des Internet haben Betreiber, Entwickler und Inhalteanbieter gelernt: Sie versuchen gar nicht erst, den Nutzern für den Besuch der Mobilseiten zusätzliche Gebühren abzuverlangen, denn das hat schon im klassischen Web nicht funktioniert und ist mobil erst recht zum Scheitern verurteilt - die Handynutzung ist ja schon teuer genug. Stattdessen wollen sich MySpace Mobil und Co. über mobile Werbung finanzieren. Ford, Toyota, das Hollywood-Filmstudio Warner Bros und Turnschuhhersteller Nike werben mit kleinen Bannern auf den Mobilseiten von MySpace und sind laut Kroll mit der Wirkung sehr zufrieden. |








