| Die zweite Welle |
|
|
|
impulse online, 24.04.2008 Das Internet auf dem Handy kommt nun endlich in Fahrt: Surfen von unterwegs ist endlich ein Erlebnis. Und nicht nur bei den Mobilfunkbetreibern klingeln die Kassen. Mit cleveren Geschäftsideen wollen auch Firmengründer am Megatrend mitverdienen. Captain Kirk wäre blass vor Neid. Gegen die aktuellen Handys versprüht sein früher so faszinierender Kommunikator nur mehr den Charme einer längst vergangenen Fernsehzeit. Doch die schicken Geräte mit ihren kristallklaren Farbdisplays, der einfachen Bedienung und den vielen Funktionen lassen nicht nur Science-Fiction alt aussehen. Sie machen auch das Surfen im Internet von unterwegs aus endlich zu dem Erlebnis, das uns die Mobilfunkkonzerne seit Jahren versprechen. T-Mobile und Konsorten locken ihre Kunden zudem mit schnellen Übertragungsraten und neuen Datentarifen. Damit treffen sie den Nerv einer ganzen Generation, die mit dem Web aufgewachsen ist und Videos, Musik und das Wissen der Welt überall und jederzeit abrufen will. Nach dem Boom der 90er rollt so auf den Mobilfunk eine zweite Welle zu, die einer zuletzt stagnierenden Branche wieder Wachstum verspricht. In einigen Schwellenländern gehen heute schon mehr Nutzer mit dem Handy als mit dem PC ins Netz. Der Elektronik-Branchenverband VDE schätzt, dass im Jahr 2015 mehr als fünf Milliarden Menschen von unterwegs aus Informationen im Web abrufen werden. Ein riesiger Markt, auf dem sich schon jetzt junge Innovationsschmieden positionieren - als Partner für die großen Netzbetreiber und Handyhersteller. Denn die suchen händeringend nach möglichst einzigartigen Anwendungen für ihre Kunden. Personalisierte ServicesDas Gespür für den Trend hatte Sarik Weber vor etwas mehr als einem Jahr. Gemeinsam mit Nils Weitemeyer und drei Partnern gründete er die Cellity AG in Hamburg. Ihr Unternehmen bietet eine Software, die - einmal aus dem Internet heruntergeladen und auf dem Telefon installiert - den Handynutzer automatisch auf die günstigsten Tarife umleitet. Außerdem lassen sich über jedes Mobiltelefon kostenlos E-Mails empfangen und versenden sowie Telefonkonferenzen mit mehreren Teilnehmern durchführen, ohne dass zusätzliche Gesprächskosten anfallen. Rund eine Million Kunden hat Cellity bereits - weltweit. "Die Nutzer können ihr Handy mit weiteren Funktionen, die sie individuell benötigen, anreichern. Das ist der Clou am mobilen Web", sagt Weber. Darauf gründet auch die Idee des Berliner Start-ups Moconso. Mit dessen Software lassen sich Informationen über Fonds und Aktien kostenlos aufs Handy laden. Der ideale Service für Geschäftsleute und Börsenfans, die viel unterwegs sind. Eine jüngere Zielgruppe hat dagegen Daniel Höpfner im Visier. Er ist einer von vier jungen Chefs der im November 2007 in Berlin gegründeten Video Community ViiF. Sie bringt das Mitmach-Internet aufs Mobiltelefon: Die Mitglieder von ViiF nehmen Videoclips mit ihrer Handykamera auf, veröffentlichen diese auf Tastendruck im Internet - und erreichen sofort ein riesiges Publikum. Etwa 20000 Kunden senden bei ViiF bereits ins Netz. Schon 2009 will Höpfner schwarze Zahlen schreiben. Warum Unternehmen wie ViiF mit ihren Gratisangeboten tatsächlich Geld verdienen können, ist schnell erklärt. Die Netzanbieter bieten Provisionen für jeden Euro Datenumsatz, schließlich machen neue Dienste das Surfen attraktiver. Eine weitere Einnahmequelle ist Werbung. Die Mobilfunkunternehmen wissen, wer wann und wie oft bestimmte Internetseiten besucht. Auf Basis von Nutzerprofilen können so zielgerichtet Anzeigen geschaltet werden. Und auch hier eröffnet das Handy-Web ganz neue Möglichkeiten, denn die Anwender lassen sich genau lokalisieren. Cellity-Chef Weber: "Es ist technisch möglich, dass der Handynutzer die Werbung des Pizzabäckers von der Ecke auf sein Telefon bekommt und direkt bestellen kann." Raumschiff-Kommandant Kirk würde die Pizza dann einfach zu sich beamen. |








